Werdende Eltern erlebten Marathon durch Berlin – Erst die vierte Klinik hatte Platz für Liams Geburt – Berlin

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    Die Geburt des ersten gemeinsamen Kindes sollte möglichst entspannt sein. Schon im April war das Familienzimmer im Krankenhaus in Oranienburg (Brandenburg) gebucht. Und doch kam für Familie Mäcker alles ganz anders – eine Geburtenodyssee.

    Am frühen Pfingstsonntag brachte Carol Mäcker (43) seine Frau Maja (31) ins Krankenhaus.

    „Am Vormittag sagte man mir, dass ich in einem anderen Krankenhaus entbinden müsse, wenn das Kind nicht vor 22 Uhr kommt“, sagt Maja. Auf BILD-Anfrage teilt die Klinik mit, dass sie mit der absoluten Ausnahmesituation konfrontiert gewesen sei, den Kreißsaal für die Nacht zum Pfingstmontag abmelden zu müssen. Grund: krankheitsbedingte Ausfälle bei den Hebammen.

    So wie Maja und Carol Mäckel geht es immer mehr Berliner Familien. Laut RBB-Informationen gab es 2016 im Vergleich zu 2010 etwa 7000 Entbindungen mehr. Bis 2015 wurden in den Krankenhäusern jedoch nur 31 Hebammen zusätzlich eingestellt. Die Entbindungsstationen sind überlastet, Hochschwangere werden kurz vor der Geburt weggeschickt.

    Auch im Tempelhofer St-Joseph-Krankenhaus – dem Haus mit den meisten Geburten in ganz Deutschland – musste vergangenes Jahr etwa 30-mal kurzfristig die Geburtsstation geschlossen werden.


    Im Virchow-Klinikum konnte Maja Mäcker endlich ihren Nachwuchs entbindenFoto: picture alliance / Arco Images

    Nach einem CTG teilte eine Ärztin Maja und Carol Mäcker mit, dass sie nach Berlin-Buch verlegt werden sollen. Doch auch dort war die Entbindungsstation voll. Maja bekam Angst – wegen einer chronischen Erkrankung muss sie Beta-Blocker und Cortison nehmen. Es ist eine Risikoschwangerschaft.

    Die Ärztin versuchte, die Mäckers an zwei andere Berliner Kliniken zu vermitteln – aber auch diese Häuser hatten keine Kapazitäten mehr. Maja: „Dann war die Rede vom Vivantes-Humboldt-Klinikum.“

    Ihr Mann packt sie ins Auto und rast Richtung Berlin.


    Um 5.51 Uhr kam der kleine Liam (2900 Gramm, 51 Zentimeter) zur Welt
    Um 5.51 Uhr kam der kleine Liam (2900 Gramm, 51 Zentimeter) zur Welt Foto: Michael Hübner

    Doch auch hier konnten sie nicht bleiben. „Dort gab es keinen Kinderarzt. Wegen der Medikamente, die ich nehme, hätte unser Kind sofort nach der Entbindung in ein Krankenhaus mit Säuglingsstation verlegt werden müssen“, sagt Maja.

    Das Humboldt-Klinikum organisierte eine Verlegung ins Virchow-Klinikum in Berlin-Wedding – mit Rettungswagen und Notarzt.

    Kurz nach 20 Uhr kam das Paar dort an.

    Für Susanna Rinne-Wolf (40), Vorsitzende des Berliner Hebammen Verbandes, braucht Berlin mehr Kreißsäle mit mehr Personal. „Die Geburtenrate steigt, das ist bei uns unmittelbar spürbar“, sagt sie BILD. „Eine 1:1-Betreuung minimiert die Folgekosten am stärksten. An der Tagesordnung ist allerdings, dass eine Hebamme in der Klinik drei bis fünf Frauen gleichzeitig betreut.“ Die Folge: mehr Schmerzmittel und eine steigende Zahl an Kaiserschnitten.

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    Maja und Carol Mäcker wollen dem Oranienburger Krankenhaus nichts Böses. „Aber das Gesundheitswesen sollte sich dringend mal Gedanken darüber machen, warum in einer Klinik nachts keine Hebamme ist und wir erst im sechsten Krankenhaus entbinden konnten“, sagt Carol.

    Einen Tag nach Liams Geburt bekommen die Mäckers Besuch von der Polizei. Maja: „Einer der Beamten, die uns geholfen hatten, wollte sich nach uns erkundigen.“ In der Aufregung vergaßen sie, den Mann nach seinem Namen zu fragen. Jetzt sind sie auf der Suche nach dem Polizisten, um sich für seine Hilfe zu bedanken.

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