Sir Anthony Hopkins – »Auf Partys spiele ich immer noch Hannibal Lecter – Leute

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    Sir Anthony Hopkins sitzt vor einer heißen Tasse Tee und lächelt freundlich, als der BILD-am-SONNTAG-Reporter die Hotelsuite betritt. Er spricht leise und bedacht, hält oft inne, als wolle der mittlerweile 79-jährige Oscar-Preisträger nichts Falsches sagen. Immer wieder streicht seine Zunge über seine Lippen.

    BILD am SONNTAG: Ende des Jahres werden Sie 80 Jahre alt. Was für Gedanken schießen Ihnen da durch den Kopf?

    Anthony Hopkins: „80. Das ist schon eine anständige Zahl, oder? Und ich kann immer noch Arbeit finden. Es gibt wohl kaum etwas, was ich lieber mache, als morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen.“

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    Spüren Sie Ihr Alter denn gar nicht?

    Hopkins: „In meinen Knochen spüre ich es. Eine 80 Jahre alte Maschine muss ständig gut geölt sein, sonst rostet sie ein.“

    Wie ölen Sie denn Ihre Maschine?

    Hopkins: „Mit Musik, mit Malerei, mit meiner Arbeit. Für mich ist jeder neue Job wie ein neues Abenteuer.“

    Kann man als Schauspieler auch irgendwann in Rente gehen?

    Hopkins: „Sicher kann man das. Die meisten von uns werden ja dazu gezwungen, weil sie irgendwann einfach keine Jobs mehr finden. Ich habe Glück. Und welcher Mann in meinem Alter würde nicht sofort die Chance wahrnehmen, in einem coolen Science-Fiction-Film wie „Transformers 5: The Last Knight“ mitzumachen.“


    Athony Hopkins in Transformers 5
    Hopkins in der 5. „Transformers“-Verfilmung (ab 22. Juni im Kino) mit Action-Figur Hot RodFoto: Paramount Pictures

    Dabei ist das doch gar nicht wirklich Ihr Genre?

    Hopkins: „Es ist eine Möglichkeit, Neues zu lernen, mit jungen Leuten auf dem Set herumzusitzen und zu plaudern. Das macht Spaß, weil es ein seltener Umstand für mich ist.“

    Sie sind Sir Anthony Hopkins, ich denke mir, dass Sie ständig von Anhängern umgeben sind, oder?

    Hopkins: „Ganz und gar nicht. Ich bin ein ziemlicher Einzelgänger und oftmals sogar einsam. Das ist nicht ganz ungewollt, das gebe ich gern zu.“

    Das müssen Sie uns genauer erklären.

    Hopkins: „Ich bin ein Mensch, der gern in einem stillen Zimmer sitzt und die Ruhe auf sich einwirken lässt. Das ist mir wichtig, in diesen Momenten finde ich Stärke. Aber es sind halt auch sehr einsame Momente.“

    Und Filmsets sind für Sie…

    Hopkins: „… ein wichtiger Bestandteil meiner sozialen Existenz. Sie helfen mir gegen meine soziale Vereinsamung. Ich bin gezwungen zu kommunizieren, muss mich einbringen.“

    Was haben Sie von Ihrem Leben erwartet, als Sie aufgewachsen sind?

    Hopkins: „Gar nichts. Ich habe mit Sicherheit niemals daran gedacht, irgendwann einmal Interviews in Kalifornien zu geben. Alles, was mir widerfahren ist – mit vielleicht einigen Ausnahmen – macht bis heute nicht wirklich Sinn für mich. Es ist einfach passiert. Dafür bin ich für immer dankbar, aber geplant habe ich mein Leben mit Sicherheit nicht. Irgendwie war mein ganzes Leben ein Zufall. Und irgendjemand hat einen Eimer mit viel Glück über mein Haupt geschüttet.“

    Glauben Sie denn, dass wir im Allgemeinen zu viel vom Leben erwarten?

    Hopkins: „Mit Sicherheit. Viel zu viel. Wir denken zu viel über alles nach. Und haben dabei vergessen, einfach nur das Leben zu leben. Das würde vieles einfacher machen. Heute ist doch fast jede Minute unseres Tages durchgeplant. Das finde ich schlimm. Keiner genießt mehr nur den Moment, hält inne, atmet tief durch.“

    Sie sind nicht nur ein begnadeter Schauspieler, sondern auch Komponist. Was gefällt Ihnen ganz besonders an klassischer Musik, am Komponieren?

    Hopkins: „Es durchlüftet mich ein Gefühl von Leben, von Glück. Das Mirakel des Lebens ergreift mich beim Komponieren. Ich versuche, jeden Moment meines Lebens zu genießen. Und ich mag es, wenn die Zeit langsamer läuft. Beim Komponieren habe ich das Gefühl, dass ich die Uhr langsamer stellen kann. Ein schönes Gefühl für einen älteren Mann wie mich. Es ist, als würde mir eine innere Stimme sagen, dass alles okay ist, dass alles friedlich um mich herum ist.“

    Genießen Sie es eigentlich heute noch, für Engagements durch die Welt zu reisen?

    Hopkins: „Sehr sogar. Es gibt nichts Schöneres, als in einem Flieger zu entspannen und an einen neuen wunderbaren Ort zu jetten. Das hat mir immer Spaß gemacht. Heute ist es auch so viel angenehmer zu reisen.“

    Sie waren noch nie jemand, der mit seinen Rollen, seinen Erfolgen auf den Putz gehauen hat. Haben Sie Probleme damit, wenn Sie gelobt werden, Mr. Hopkins?

    Hopkins: „Ja, da ist schon was dran. Ich fühle mich einfach nicht wohl, wenn mir Leute sagen, dass ich etwas gut gemacht habe. Vielleicht habe ich Angst, dass ich durch das Anerkennen eines Lobes auf einmal faul werde. Und das will ich niemals sein.“

    Sie wuchsen als Sohn eines Bäckers in einem kleinen Ort im Süden von Wales auf. Heute leben Sie in einem Haus in Malibu. Besuchen Sie Ihre alte Heimat noch ab und zu?

    Hopkins: „Auch das hat wohl etwas mit dem Alter zu tun. 60 Jahre lang war ich nicht ,zu Hause‘. Aber im letzten Jahr bin ich mit meiner Frau nach Port Talbot gereist, um das Haus zu besuchen, in dem ich aufgewachsen bin.“


    Anthony Hopkins und Stella Arroyave
    Mit Schauspielerin Stella Arroyave ist Anthony Hopkins seit 2003 verheiratetFoto: API

    Wie war das?

    Hopkins: „Es war eine sehr interessante Erfahrung. So viele Erinnerungen. Als Kind vergisst du gar nichts. Es ist erst später im Leben, da dein Erinnerungsvermögen langsam verschwindet. Es war eine gute Reise, weil sie mir geholfen hat, meine Gedächtnislücken zu füllen. Vielleicht ist es auch das letzte Mal, dass ich Wales besucht habe. Häuser bleiben, Menschen ziehen fort.“

    Wie haben Sie Ihren Ruhm eigentlich überlebt? Wie gehen Sie damit um?

    Hopkins: „Heute ist es okay. Wie gesagt, ich bin immer wieder überrascht, dass ich immer noch Arbeit finde in meinem Alter. Aber Ruhm ist ein gefährliches Tier. In dem Moment, da du es glaubst, dass du etwas Besonderes bist, bist du auch schon erledigt.“

    Doch mit einem Oscar in der Tasche muss es doch schwerfallen, auf dem Boden zu bleiben, oder?

    Hopkins: „Okay, du gewinnst einen Oscar, na und? Das menschliche Ego ist sehr geschickt. Wir sagen, dass es uns nichts ausmacht, aber das ist natürlich eine Lüge. Natürlich greift dein Ego nach dir, schüttelt dich und versucht dir einzureden, dass du jetzt etwas Besonderes bist.“

    Wie bleiben Sie mit beiden Beinen auf dem Teppich, wenn die Welt Ihnen zujubelt?

    Hopkins: „Ich trage ein Foto von mir als kleiner Junge mit mir herum. Ich habe es auf mein Telefon geladen. Jedes Mal, wenn ich mir das Foto anschaue, dann denke ich: Du hast es ganz gut gemacht.“


    Anthony Hopkins in das Schweigen der Laemmer
    Anthony Hopkins als Killer Hannibal Lecter im mit fünf Oscars ausgezeichneten Thriller „Das Schweigen der Lämmer“ (1990)Foto: ddp images/Alamode Film

    Viele Ihrer berühmten Kollegen nennen ständig Ihren Namen, wenn sie gefragt werden, wen sie auf der Leinwand bewundern. Wen bewundern Sie eigentlich?

    Hopkins: „Ich habe immer mit Begeisterung alte Spencer-Tracy-Filme angeschaut. Ich hatte niemals das Gefühl, dass sich seine Auftritte gezwungen anfühlten. Bei mir hingegen sieht man deutlich, dass ich schauspiele. Das ist nicht immer von Vorteil.“

    War Hannibal Lecter aus „Das Schweigen der Lämmer“ auch aus Ihrer Sicht Ihre beste Performance?

    Hopkins: „Ich weiß nicht, ob das meine beste Performance war. Ich habe einen Oscar gewonnen. Aber ich mochte auch andere, „Nixon“ hat mir gefallen, „Amistad“ war ein toller Film.“

    Müssen Sie heute noch auf Partys für Freunde die berühmte „Clarice“-Szene nachspielen?

    Hopkins: „Das passiert schon häufiger. Ich bin da ganz entspannt. Und wenn ich gut gelaunt bin, dann schlüpfe ich auch noch einmal für ein paar Minuten in die Rolle von Lecter.“

    Macht es Ihnen etwas aus, dass Sie für immer mit der Rolle von Hannibal Lecter identifiziert sein werden?

    Hopkins: „Nein, warum denn? Die Rolle hat mir sehr viel Anerkennung gebracht. Ich bin stolz darauf.“


    Anthony Hopkins
    Hopkins 1995 als Präsident Nixon im gleichnamigen Film Foto: dpa Picture-Alliance

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