Sammler hortet Hitler-Büste und Hakenkreuz-Messer – Wer brachte den Nazi-Schatz nach Argentinien? – News Ausland

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    Buenos Aires (Argentinien) – Eine Silberbüste von Adolf Hitler, ein massiver Reichsadler, aber auch Messer und Spielzeug: 75 Gegenstände umfasst der Sensationsfund, der in Argentinien bei einem Antiquitätenhandler gemacht wurde.

    ► Weltweit sorgt der Nazi-Schatz für Aufsehen, führt zu Spekulationen. Schleusten Nazi-Größen die Relikte nach Argentinien? Wer ist der Sammler? Und was passiert jetzt mit den Devotionalien? Acht Fragen zum Nazi-Schatz:

    Haben Adolf Eichmann und Josef Mengele etwas mit dem Schatz zu tun?

    In argentinischen Medien ist schon die Rede davon, dass Nazi-Verbrecher wie Adolf Eichmann oder Josef Mengele die Gegenstände nach Südamerika gebracht haben könnten. Die Zeitung „Clarin“ beruft sich dabei auf Hypothesen aus Ermittlerkreisen.

     „Die Objekte sind ein unwiderlegbarer Beweis dafür, dass ranghohe Nazi-Größen in Argentinien Zuflucht gefunden haben“, sagte der Vorsitzende des Dachverbandes Jüdischer Vereinigungen Argentiniens (DAIA), Areil Cohen Sabban.

    ► Eichmann zählte zu den Organisatoren des Holocausts. Nach dem Zweiten Weltkrieg floh er nach Argentinien. Im Mai 1960 entführte ihn der israelische Geheimdienst Mossad. 1961 wurde Eichmann zum Tode verurteilt und im Jahr darauf hingerichtet.


    Eichmann während seiner Vernehmung vor dem Bezirksgericht in Jerusalem 1961Foto: dpa Picture-Alliance

    ► KZ-Arzt Mengele, der im Vernichtungslager Auschwitz grausame Menschenexperimente durchgeführt hatte und mitverantwortlich für den Massenmord war, floh 1949 nach Argentinien. 1959 wurde er Bürger Paraguays. Er starb 1979 in Brasilien. Er wurde nie gefasst.

    Historiker und Autor Guy Walters bezweifelt, dass die beiden Nazi-Größen die Devotionalien nach Argentinien schleppten. „Eichmann und Mengele entkamen mit wenig Gepäck“, sagt er laut History.com


    KZ-Arzt Mengele floh nach Argentinien, starb 1979 in Brasilien
    KZ-Arzt Mengele floh nach Argentinien, starb 1979 in BrasilienFoto: Archive Photos/Getty Images

    Wie wurde die Sammlung entdeckt?

    Bei einer Durchsuchung bei einem Händler fanden Ermittler die insgesamt 75 Gegenstände in einem Raum mit Schiebetür. In einigen Berichten war von einer Geheimtür die Rede gewesen.

    Ein Polizist hatte per WhatsApp Kontakt zu dem Mann aufgenommen und sich als Händler ausgegeben. Auf diese Weise kamen die Behörden schließlich auf die Spur des Schatzes. Das Haus des Mannes wurde schon am 8. Juni durchsucht. 

    Unter anderem wurden Hitler-Büsten, mit Hakenkreuzen versehene Reichsadler, Pistolen, Degen, Fern- und Vergrößerungsgläser, eine Mundharmonika-Sammlung sowie weitere Stücke beschlagnahmt.


    Woher stammt das Nazi-Silber aus Argentinien? | Eine Spur führt nach Solingen
    Eine Hitler-Büste und weitere Statuen wurden bei einem Antiquitätenhändler in Argentinien gefundenFoto: FERNANDEZ/EPA/REX/Shutterstock

    Ein massiver Reichsadler auf einem Hakenkreuz
    Ein massiver Reichsadler auf einem HakenkreuzFoto: Natacha Pisarenko / AP Photo / dpa

    Überall Hakenkreuze: Die Fundstücke sind vermutlich alles Originale, gehörten Nazi-Größen
    Überall Hakenkreuze: Die Fundstücke sind vermutlich alles Originale, gehörten Nazi-GrößenFoto: FERNANDEZ/EPA/REX/Shutterstock

    Wer ist der Händler?

    Bei dem Händler handelt es sich um einen 55-Jährigen. Die Deutsche Presse-Agentur machte ihn in einem Vorort von Buenos Aires ausfindig. Seine Identität will er nicht enthüllen. 

    Der 55-Jährige erklärte laut der dpa, die Sammlung vor über 25 Jahre von einem Argentinier erworben zu haben. Insgesamt sei er im Besitz von 17 Sammlungen, darunter auch eine große Erotiksammlung, die unter anderem kunstvolle Dildos aus der russischen Zarenzeit umfasse.

    Er betreibt ein Geschäft in Béccar, einem nördlichen Vorort von Buenos Aires.

    Was kommt jetzt auf den Händler zu?

    Nach dem größten Fund nationalsozialistischer Relikte in der Geschichte Argentiniens, muss sich der Sammler vor der Justiz verantworten. Ein Bundesrichter ermittelt. Anklage wurde noch nicht erhoben. Der Händler bleibt auf freiem Fuß.

    Er habe nicht illegal gehandelt. Der reine Besitz sei nicht strafbar. Und verkauft habe er die Dinge auch nicht. Ebenso bestreitet er, dass es sich um geschmuggelte Ware handelt.


    Messer
    Auf dem Messer steht „Waidmanns heil“ – daneben ein Hakenkreuz-SymbolFoto: Natacha Pisarenko / dpa

    Nazi-Mundharmonikas
    Mundharmonikas für die Kinder, auch diese mit HakenkreuzenFoto: Natacha Pisarenko / dpa

    Was passiert jetzt mit dem Schatz?

    Nach Abschluss der Ermittlungen sollen die Relikte in die Sammlung des Holocaust-Museums von Buenos Aires aufgenommen werden. Das sagte Argentiniens Innenministerin Patricia Bullrich.

    Bisher stellte der Antiquitätenhändler die Devotionalien in einem gesonderten Raum in seiner Wohnung privat aus.

    Was hat Solingen mit dem Fund zu tun?

    Bei den Nachforschungen zur Herkunft der Relikte führt eine Spur nach Solingen (NRW). Vom Besitzer des Nazi-Schatzes erfuhr die dpa, dass die meisten Objekte mit dem Fabrikationsstempel des 1865 gegründeten und damals auf Militärmesser spezialisierten Unternehmens Carl Eickhorn gekennzeichnet seien, darunter auch der Reichsadler mit Hakenkreuz auf einem Marmorsockel.


    Sanduhr mit Hakenkreuz
    Sanduhr mit HakenkreuzFoto: Natacha Pisarenko / dpa

    Links: ein Gerät, um den Umfang von Köpfen zu messen
    Links: ein Gerät, um den Umfang von Köpfen zu messen Foto: Natacha Pisarenko / dpa

    Wie hoch ist der Wert des Nazi-Schatzes? 

    Unklar. Noch muss geklärt werden, ob es sich um Originale oder Kopien handelt. Nach ersten Erkenntnissen soll es sich nicht um Imitate handeln.

    Ministerin Bullrich sagte, dass zu einigen Objekte auch Fotos gefunden worden seien. Ein Bild zeigt demnach Hitler mit einem Vergrößerungsglas. Diese Lupe soll sich unter den gefundenen Relikten befinden, wie Bundespolizeichef Nestor Roncaglia unter Berufung auf Historiker berichtet.

    An den Ermittlungen zu den Hintergründen und Herkunft des Schatzes sind neben der argentinischen Polizei, auch Interpol und Geschichts-Experten beteiligt. 


    Was die Fundstücke wert sind, ist noch unklar
    Was die Fundstücke wert sind, ist noch unklarFoto: FERNANDEZ/EPA/REX/Shutterstock

    Kamen die Relikte schon während der Nazi-Herrschaft nach Argentinien?

    Während Hitlers Herrschaft zwischen 1933 und 1945 lebten zehntausende Deutsche in Argentinien. Die Mehrheit von ihnen verehrte den Diktator. Hitler-Anhänger könnten die Objekte damals legal mit dem Schiff nach Argentinien gebracht haben.


    Ein Relief von Adolf Hitler
    Ein Relief von Adolf HitlerFoto: Natacha Pisarenko / dpa

    Nach dem Krieg wären die flüchtenden Nazis laut Guy Walters kaum in der Lage gewesen, große Mengen an Erinnerungsstücken zu transportieren. Außerdem sei ihnen oft daran gelegen gewesen, auf der Flucht ihre Identität zu verschleiern. Mitbringsel wie SS-Messer währen da wenig dienlich gewesen.

    „Die Vorstellung, dass jemand mit Gegenständen wie Hitlers Lupe reist, ist einfach unglaublich“, sagte Walters. „Das ist nur eine geheime Sammlung, weil sie geschmacklos ist.“

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