Nordkorea lässt US-Studenten frei – Warum Otto Warmbier ins Koma fiel – Politik Ausland

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    15 Jahre Arbeitslager in Nordkorea – die Freude, dass der amerikanische Student Otto Warmbier diesem Horror-Urteil entkommen ist, war am Dienstag groß.

    Doch seine Freilassung ist mit einem schrecklichen Schicksal verknüpft: Der 22-Jährige liegt seit mehr als 15 Monaten im Koma. Der Grund dafür ist unfassbar …

    In einem Medizin-Transport wurde er in seine Heimstadt Cincinnati im US-Staat Ohio geflogen. Seine Eltern erwarteten ihn auf dem Flugplatz, von wo aus er  US-Meiden zufolge direkt ins Universitätskrankenhaus gebracht wurde.

    „Traurigerweise ist er im Koma und befindet sich in diesem Zustand seit März 2016, wurde uns gesagt. Wir haben erst vor einer Woche davon erfahren“, erklärten Fred und Cindy Warmbier am Dienstag.  

    Deshalb liegt Warmbier im Koma

    Wie die „Washington Post“ berichtet, wurde Familie Warmbier gesagt, dass sich ihr Sohn kurz nach seinem Prozess im März 2016 angeblich eine Lebensmittelvergiftung zugezogen hatte.

    ► Seltsamerweise gaben ihm die Nordkoreaner nach eigenen Angaben daraufhin eine Tablette gegen Einschlafstörungen – woraufhin er offenbar einschlief und nicht mehr aufwachte. Seit dieser ungewöhnlichen Behandlung soll Warmbier im Koma liegen.

    Ob diese Aussagen der Nordkoreaner zu Warmbiers Krankheitsgeschichte stimmen, ist kaum nachvollziehbar. US-Ärzte werden den Ursachen für seinen Zustand nun auf den Grund gehen. 

    „Wir möchten, dass die Welt erfährt, wie wir und unser Sohn von dem verächtlichen Regime misshandelt und terrorisiert wurde“, sagten die Warmbiers.


    Fred und Cindy Warmbier sind froh, ihren Sohn wieder bei sich zu haben (Archivbild)Foto: The Washington Post/Getty Images

    Darum reiste er nach Nordkorea

    Otto Warmbier ist Student der Universität von Virginia, wo er Volkswirtschaftslehre studierte, und war als Tourist für einen Kurztrip nach Nordkorea gereist.

    Es gibt ein paar Reiseveranstalter, vor allem in Peking, die Touristen-Touren in das abgeschottete Land anbieten. Warmbier reiste mit dem Anbieter Young Pioneer Tours und wurde am 2. Januar 2016 am Internationalen Flughafen von Pjöngjang verhaftet.


    Der US-Student Otto Warmbier (22) wurde am 16. März 2016 in Pjöngjang zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt – am Dienstag wurde er freigelassen
    Der US-Student Otto Warmbier (22) wurde am 16. März 2016 in Pjöngjang zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt – am Dienstag wurde er freigelassen Foto: Imago

    Das wurde ihm vorgeworfen

    Der Vorwurf: Im „Yanggakdo International Hotel“ in Pjöngjang, wo er mit etwa 100 weiteren, westlichen Touristen untergebracht war, soll er ein Propagandaplakat von der Wand gerissen und mitgenommen haben. Als Beweis dafür veröffentlichte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA ein sehr unscharfes Video, auf dem Warmbier nicht klar identifiziert werden kann. 

    Das Regime wertete die Handlung als staatsfeindlichen Akt und verurteilte den damals 21-jährigen Warmbier in einem Schauprozess zu 15 Jahren Arbeitslager. 

    Die US-Regierung hatte Warmbiers Strafe als völlig unverhältnismäßig kritisiert.


    Dieses verschwommene Video soll beweisen, dass es Warmbier war, der angeblich ein Propagandaposter in einem Hotel von der Wand riss
    Dieses verschwommene Video soll beweisen, dass es Warmbier war, der angeblich ein Propagandaposter in einem Hotel von der Wand rissFoto: liveleak

    Unerklärlich, weshalb dieses Beweisfoto des Posters an seiner ursprünglichen Stelle scharf ist, die Aufnahme von der Tat aber nicht
    Unerklärlich, weshalb dieses Beweisfoto des Posters an seiner ursprünglichen Stelle scharf ist, die Aufnahme von der Tat aber nichtFoto: Reuters

    Warmbier wurde in dem Prozess gezwungen, alles zu gestehen, und sagte schluchzend vor laufenden Kameras, er hätte das Plakat als „Trophäe“ für die Mutter eines Freundes in den USA gestohlen, die dort in einer Kirche aktiv ist. Diese hätte ihm als Belohnung ein Auto im Wert von mehr als 9000 US-Dollar versprochen.

    Weiter heißt es in dem Geständnis, dass er sich niemals von der US-Regierung zu so einer Tat hätte hinreißen lassen dürfen. Das sei der schlimmste Fehler seines Lebens gewesen.

    All das klingt nach nordkoreanischer Propaganda 


    Während des Schauprozesses brach Warmbier vor Verzweifelung zusammen
    Während des Schauprozesses brach Warmbier vor Verzweifelung zusammenFoto: Reuters

    Das unterdrückerische Regime ist extrem paranoid, befürchtet Umsturzversuche und wittert schnell Verschwörungen. Mit großer Gewalt lässt Diktator Kim auch gegen die eigene Bevölkerung durchgreifen – beim kleinsten Verdacht der Kritik werden Menschen in Umerziehungs- oder Arbeitslager geschickt.

    So kam er frei

    Die Freilassung ist einer der ersten, diplomatischen Erfolge in der Amtszeit von Außenminister Rex Tillerson. In einer Erklärung ging er am Dienstag jedoch nicht darauf ein, wie die Verhandlungen zustande gekommen waren.


    US-Außenminister Rex Tillerson sagte am Dinestag, dass die US-Regierung mit Pjöngjang wegen der noch inhaftierten US-Bürger in Kontakt stehe
    US-Außenminister Rex Tillerson sagte am Dinestag, dass die US-Regierung mit Pjöngjang wegen der noch inhaftierten US-Bürger in Kontakt steheFoto: Imago

    Warmbier war an dem Tag freigelassen worden, gerade als der Ex-NBA-Star Dennis Rodman für einen Besuch in Nordkorea eintraf. Nach eigenen Angaben reiste er dorthin, um eine Tür zu öffnen und etwas Positives zu erreichen“.

    Die USA haben als Erzfeind Nordkoreas keine Botschaft in Pjöngjang und auch sonst keine offiziellen, diplomatischen Beziehungen zu Kims Regime. Der Diktator droht immer wieder, die Vereinigten Staaten anzugreifen. Sein Ziel ist es, Raketen zu entwickeln, die mit atomaren Sprengköpfen bestückt werden und in ihrer Reichweite amerikanisches Territorium treffen können. Aufgrund immer wiederkehrender, verbotener Raketen- und Atomtests haben die Vereinten Nationen schwere Sanktionen gegen Nordkorea verhängt.

    Darum ist Nordkorea so gefährlich

    Normalerweise waren inhaftierte Amerikaner immer erst nach diplomatischen Drahtseilakten freigelassen worden.

    ► Der ehemalige Präsident Bill Clinton war etwa 2009 unter der Obama-Administration dorthin gereist, hatte sich mit dem inzwischen verstorbenen Diktator Kim Jong-il getroffen und die Freilassung zweier amerikanischer Journaistinnen erwirkt.

    ► Ex-Präsident Jimmy Carter und der frühere Gouverneur von New Mexico Bill Richardson erzielten ähnliche Erfolge in Nordkorea.

    Dass Otto Warmbier ohne so ein Zeichen an das Regime nun freigelassen wurde, ist wahrscheinlich auf seinen kritischen Gesundheitszustand zurückzuführen. Wäre Warmbier in nordkoreanischer Haft wegen schlechter Versorgung ums Leben gekommen, hätte Diktator Kim Jong-un möglicherweise sogar einen Krieg riskiert.

    US-Präsident Donald Trump hat seit seinem Amtsantritt im Januar den Druck wegen des nordkoreanischen Atomprogramms erhöht. Seine Regierung schloss auch ein militärisches Vorgehen nicht aus und hatte verlauten lassen, alle möglichen Optionen zu überprüfen.

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