Michael Cohen – Der Mann, der Trumps dunkelste Geheimnisse kennt – Politik Ausland

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    Immer näher kommen die Skandale an US-Präsident Donald Trump (70) heran: Ins Visier der Ermittler der Bundespolizei FBI und mehrerer Kongress-Ausschüsse geraten mehr und mehr Personen aus dem innersten Beraterkreis – darunter natürlich auch Schwiegersohn Jared Kushner. Jetzt geriet zudem Trumps ehemaliger persönlicher Anwalt Michael Cohen ins Fadenkreuz der ausufernden Untersuchungen zum „Kremlgate“, zu den Verbindungen des Trump-Teams mit russischen Offiziellen während dem Wahlkampf 2016 und danach.

    Der Jurist und Geschäftsmann aus Long Island wurde vom Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses zur Zeugenaussage vorgeladen – nach einer ersten schroffen Ablehnung kündigte Cohen nun doch seine Kooperation mit den Kongress an, berichtete NBC.

    Mit dem neuen Fokus der Ermittler auf Cohen müssen im Weißen Haus alle Alarmglocken schrillen. Immerhin: Der notorische Advokat ist jemand, der Trumps dunkelste Geheimnisse kennt – vor allem auch bezüglich möglicher geschäftlicher und sonstiger Verbindungen nach Russland und andere Staaten der ehemaligen Sowjetunion.


    Auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (36) steht unter Verdacht, während des US-Wahlkampfs in Verbindung mit russischen Offiziellen gestanden zu habenFoto: POOL/EPA/REX/Shutterstock

    Tiefe Treue gegenüber Trump

    Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts stand Cohen, der Sohn eines jüdischen Holocaust-Überlebenden, dem damaligen Immobilien-Mogul und TV-Star als persönlicher Anwalt und später im Management der „Trump Organization“ zur Seite. Cohen hatte den Ruf als Trumps „Mann fürs Grobe“: Er schüchterte Gegner mit Riesenklagen ein, erstritt vor Gericht Vergleiche und fungierte als wortgewaltiger und oft ungehobelter Sprecher in TV-Interviews.

    Kurios: Noch 2008 hatte der Jurist Trump-Vorgänger Barack Obama (55) gewählt, doch er sei von dessen Präsidentschaft bitter enttäuscht gewesen.

    2011 warf er sich ins Zeug bei Trumps ersten politischen Ambitionen: Der Mogul spuckte damals große Töne über Obamas Geburtsurkunde, Cohen gründete die Website „Should Trump Run?“ (Soll Trump antreten?). Darauf wurden 830 000 Zugriffe verzeichnet.

    Wegen seiner Treue zu Trump erhielt der Jurist sogar den Spitznamen „Tom“, in Anspielung auf Tom Hagen, den Consigliore von Vito Corleone in den „Godfather“-Filmen.

    „Wenn jemand was tut, das Mr. Trump nicht gefällt, dann unternehme ich alles, um die Sache in seinem Sinne zu lösen“, sagte er zu ABC News. Seine Taktik beschrieb er so: „Wenn du was falsch machst, dann werde ich dich erwischen, am Kragen packen und so lange zappeln lassen, bis ich mit dir fertig bin.“

    Während Trump damals mit einer Kandidatur kokettierte, beschrieb der Sender den hektischen Arbeitsalltag des Getreuen, der nur „Dolce & Gabbana“-Anzüge und Hermes-Krawatten trägt, so: Da telefoniere er mit einem Reporter, gibt Anweisungen an eine Assistentin und schließt einen Deal auf der anderen Leitung ab – meistens alles zeitgleich.

    Als Trump vier Jahre später tatsächlich ins Präsidentenrennen einstieg, war Cohen integraler Teil des Trump-Teams bei der brutalen Wahlschlacht. Der jüdische Cohen verteidigte seinen Klienten auch energisch gegen Vorwürfe des Antisemitismus. 

    Cohens Verbindungen nach Osteuropa

    Brisant sind vor allem aber – besonders angesichts des laufenden „Kremlgate“-Thrillers – Cohens beste Kontakte in die Ukraine und indirekt mutmaßlich auch nach Russland: Die Verbindungen nach Osteuropa ziehen sich während des vorigen Jahrzehnts wie ein roter Faden durch seinen Karriere-Abschnitt an der Seite Trumps.


    So läuft das Amtsenthebungsverfahren des US-Präsidenten ab. Der Senat und das Repräsentantenhaus müssten mehrheitlich dafür stimmen, wenn Donald Trump des Amtes enthoben werden soll.

    Cohen selbst hat persönliche Bande nach Osteuropa:

    ► Seine Ehefrau Laura stammt aus der Ukraine. Auch ihr Bruder ist verheiratet mit einer Ukrainerin, Oxnaa Cohen.

    ► Trumps Anwalt hatte 2006 gemeinsam mit seinem Bruder und dessen Schwiegervater Alex Oronow die Biosprit-Firma „International Ethanol of Ukraine, Ltd.“ in den USA gegründet.

    ► Im Vorjahr rief Oronow gemeinsam mit Geschäftspartnern die „State Russian Museum Publishing Co.“ ins Leben, so die Presseagentur Associated Press: Sie betrieb im trendy Manhattaner Stadtteil SoHo Kunstgalerien und eröffnete ein Museumsgeschäft in St. Petersburg. Damit hatte Cohen über seine Familie nicht nur gute Beziehungen in die Ukraine, sondern auch nach Russland.

    Trump wurde auf den Anwalt und Geschäftsmann aufmerksam, als ihm Cohen betuchte Kunden aus der ehemaligen Sowjetunion beim Kauf von Luxus-Apartments der „Trump Organization“ in New York, New Jersey und Florida vermittelte.


    So läuft das Amtsenthebungsverfahren des US-Präsidenten ab. Der Senat und das Repräsentantenhaus müssten mehrheitlich dafür stimmen, wenn Donald Trump des Amtes enthoben werden soll.

    Sein heißer Draht in die Geschäftswelt von Kiew bis Moskau könnte auch für Trump von Vorteil gewesen sein – obwohl der heutige Präsident Geschäftsdeals mit Russland bestreitet.

    Reporter Josh Marshall schreibt im Portal „Talking Points Memo“ (TPM): „Keine Person weiß mehr über Donald Trumps Beziehungen nach Russland und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion sowie über Geldtransaktionen von Emigranten aus diesen Ländern als Michael Cohen, dazu zählt auch die Zeit während des Wahlkampfes“, fasst der Kenner zusammen.

    Cohen selbst war bereits ein gemachter Mann, als ihn Trump anheuerte: Er verdiente Millionen mit Investitionen in New Yorker Taxi-Medallions (Lizenzen), Casino-Geschäfte und Immobilien. In viele seiner Geschäftsdeals waren Immigranten aus Russland und der Ukraine involviert. Doch auch der Job als „Trumps Bulldogge“ („ABC News“), muss sich ausgezahlt haben. 2015 kaufte er ein Apartmentgebäude an der New Yorker Upper East Side für rund 58 Millionen Dollar.

    Cohen macht Schlagzeilen

    Immer wieder war der umtriebige New Yorker Strippenzieher zuletzt in die Schlagzeilen geraten – und stets hatte es mit Moskau zu tun:


    Christopher Steele
    Der ehemalige britische Agent Christopher SteeleFoto: dpa Picture-Alliance

    Der Name Cohen tauchte auf bei der unglaublichen Story des „Pinkel-Dossiers“: Der pensionierte britische Ex-Spion Christopher Steele (52) hatte darin Verdachtsmomente zusammengetragen, wonach russische Geheimdienste angeblich vernichtendes Material über Trump horten.

    Dabei seien sogar angebliche Treffen mit Prostituierten bei Besuchen des Tycoons in Moskau und St. Petersburg dokumentiert worden, so die Unterlagen. Bei einem der Treffen hätten Edelhuren in ein Hotelbett uriniert.

    In dem Dossier, das auch dem FBI zugespielt wurde und über das Trump vom US-Geheimdienst unterrichtet wurde, war auch von einem mutmaßlichen Treffen von Cohen mit einem Vertreter des Kremls in der tschechischen Hauptstadt Prag die Rede. Der Anwalt dementierte jedoch heftig: „Ich war in meinem ganzen Leben noch nie in Prag“, twittert er Anfang Januar mit einem Foto seines Reisepasses.

    Ende Januar – Trump war bereits zum 45. US-Präsidenten vereidigt worden – traf sich Cohen im New Yorker „Loews Regency“-Hotel in Manhattan mit dem umstrittenen ukrainischen Oppositionspolitiker Andrej Artemenko und dem russisch-amerikanischen Immobilienentwickler Felix Sater (51).

    Besprochen wurde ein alternativer Friedensplan für die Ukraine, bei dem russische Truppen aus der Ostukraine abziehen sollten und ein Referendum in den Gebieten abgehalten werden sollte.

    Die Krim sollten die Russen praktisch pachten. Im Gegenzug würde die USA die Sanktionen lockern, so der Plan, den Cohen – in einem versiegelten Kuvert – dem damaligen Sicherheitsberater Michael Flynn hätte vorlegen sollen. Flynn stürzte kurze Zeit später über seine eigenen Russenkontakte. Laut Report soll Cohen auch während des Wahlkampfes mit Artemenko verschiedene mögliche Deals in der Ukraine besprochen haben, durch die Moskau hätte freigespielt werden können.

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    Cohen schaffte die Rechtsanwaltsprüfung im Jahr 1992, als er von der „Thomas M. Cooley Law School“ graduierte: Doch er gefiel sich eher in der Rolle als Unternehmer und Entrepreneur. Seine Arbeit für die „Trump Organization“ fällt pikanterweise in eine Zeit, in der Trump – vor allem nach dem Platzen der Immobilien-Blase – auf kaufkräftige Klienten aus Osteuropa angewiesen war; bei Großprojekten wie „Trump SoHo“ als auch bei Apartmentverkäufen in Luxus-Hochhäusern. Die Verbindungen von Cohen und seinem Bruder kamen da wohl äußerst gelegen.

    Eigener Tweet zeigt Tochter in Reizunterwäsche

    Trumps Sohn Donald Jr. war damals in einem Interview rausgerutscht: „Russen halten einen unverhältnismäßig großen Anteil quer durch unsere Vermögenswerte. Wir sehen große Mengen an Geld aus Russland hereinströmen.“

    Trump hatte seit dem Losbrechen der „Kremlgate“-Untersuchungen mehrfach behauptet, dass er in Russland keine Kredite aufnahm und es keine „Deals“ gab. Doch detaillierte Unterlagen – inklusive Steuererklärungen – hält er weiterhin unter Verschluss. Dass Cohen jetzt ebenfalls in den Skandalstrudel gezogen wird, könnte den Präsidenten hochnervös machen.

    Der Power-Anwalt sorgte zuletzt auch noch in einer ganzen anderen Sache für negative Schlagzeilen: Er postete ein Foto seiner Tochter, einer Studentin, auf Twitter, in dem sie in Reizunterwäsche abgebildet war. Die Veröffentlichung wurde weitgehenden als „geschmacklos“ verdammt.

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