Familienvater verschwunden – Wann melde ich eine Person als vermisst?  – Ratgeber

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    Winfried von S. (47) aus Hamburg wollte nur noch ­mal schnell was einkaufen gehen. Er umarmte seine Söhne Leonhardt (17), Linus (14) und Laurenz (12) und seine Frau Iris (48), stieg in den schwarzen Familienjeep – und war weg. 

    250 bis 300 Fahndungen nach vermissten Personen werden laut Bundeskriminalamt täglich neu erfasst. Die Hälfte aller Vermissten sind Kinder und Jugendliche.

    Was ist zu tun, wenn man selbst betroffen ist? An wen kann man sich wenden? Und stimmt es, dass eine Person erst dann als vermisst gilt, wenn sie mehr als 24 Stunden nicht gesehen wurde? Nein, sagt BILD – und gibt Antworten.

    Wie lange muss ich warten?

    ► Eine Zeitspanne, die man abwarten muss, um eine Person als vermisst zu melden, gibt es nicht.

    Stattdessen müssen drei Kriterien vorliegen:

    • Eine Person hat ihren gewohnten Lebenskreis verlassen
    • Ihr aktueller Aufenthaltsort ist unbekannt
    • Es kann angenommen werden, dass eine Gefahr für Leib und Leben vorliegt

    Was sind das für Gefahren?

    Eine Gefahr für Leib und Leben liegt beispielsweise vor, wenn eine Straftat zu vermuten ist.

    ► Das kann eine Entführung sein oder gar Mord.

    Auch wenn man annehmen muss, dass ein Unfall geschehen sein könnte, liegt eine entsprechende Gefahr vor.

    Bei Personen, die schwer erkrankt sind oder unter einer Behinderung leiden, besteht eventuell das Risiko, dass sie sich in einer Situation der Hilflosigkeit befinden und deshalb gefährdet sind.

    In diesen Fällen wird die Polizei eine Fahndung einleiten.

    Diese wird mit dem Ziel durchgeführt, den Aufenthaltsort der Person zu ermitteln.

    Geld für sachdienliche Hinweise

    Wann wird nicht gefahndet?

    Für Erwachsene gilt prinzipiell, dass sie ihren Aufenthaltsort frei wählen können.

    Achtung: Rechtlich ist niemand verpflichtet, sich bei Angehörigen oder Freunden zu melden. Besteht keine begründete Gefahr, wird die Polizei auch nicht tätig.

    In diesem Fall können sich Freunde oder Angehörige nur an eine private Agentur oder Detektive sowie Suchdienste im Internet wenden.

    Manchmal muss man aber auch akzeptieren, dass eine Person nichts von sich hören lassen will oder beschließt, einfach fortzugehen.

    So zeigen Sie eine Straftat an

    Was ist bei vermissten Kindern?

    Die Situation bei Minderjährigen ist anders.

    Eltern oder Personen, die eine Vormundschaft innehaben, haben das gesetzliche Aufenthaltsbestimmungsrecht. Das kann von Fall zu Fall auch von staatlichen Stellen durchgesetzt werden.

    Im Zweifel wird bei Minderjährigen außerdem immer angenommen, dass eine Gefahr besteht!

    Dann wird die Polizei die entsprechenden Maßnahmen treffen.

    Verantwortung für Kinder und Jugendliche

    Wie läuft die Fahndung?

    Zuerst wird eine Vermisstenanzeige bei der Polizei gestellt.

    Vor der Fahndung zur Aufenthaltsermittlung nimmt die Polizei dann eine Gefahreneinschätzung vor.

    Dazu können auch Rettungsdienste oder Einheiten der Bereitschaftspolizei oder Bundespolizei herangezogen werden.

    Besteht in einem Fall internationaler Hintergrund, nimmt die Polizei mit dem Bundeskriminalamt Kontakt auf.

    Die Personalien vermisster Personen werden im Computer „Informationssystem der Polizei“ (INPOL) erfasst und damit zur Fahndung ausgeschrieben.

    Auf INPOL haben alle deutschen Polizeidienststellen Zugriff.

    Wird die Person im Rahmen einer polizeilichen Kontrolle überprüft, kann festgestellt werden, dass sie vermisst wird und wer den Vorgang bearbeitet. 

    Was passiert, wenn ein Vermisster gefunden wird?

    Wenn die Polizei eine vermisste Person findet, wird der Anzeigesteller darüber informiert.

    Der Aufenthaltsort der Person wird aber nur mit dessen Einverständnis weitergegeben.

    Liegt keine Verbrechen oder eine Straftat vor, endet die Polizeiarbeit an dieser Stelle.

    Werden vermisste Kinder gefunden, können diese auch zunächst in die Obhut des Staates genommen werden, bevor der Minderjährige an die Sorgeberechtigten zurücküberstellt wird.

    Welche Zahlen gibt es?

    Laut Bundeskriminalamt (BKA) waren im April 2016 in der Datei „Vermisste/Unbekannte Tote” zirka 18 400 Vermisstenfälle gespeichert.

    Darunter waren ungefähr 16 000 in Deutschland als vermisst gemeldete Personen – etwa die Hälfte davon sind Kinder oder Jugendliche.

    Erfahrungsgemäß erledigen sich etwa 50 Prozent der Vermissten-Fälle innerhalb der ersten Woche.

    Binnen Monatsfrist liegt die Erledigungs-Quote bereits bei über 80 Prozent.

    Der Anteil der Personen, die länger als ein Jahr vermisst werden, bewegt sich bei nur etwa drei Prozent.

    Knapp zwei Drittel aller Vermissten sind männlich.

    Etwa die Hälfte aller Vermissten sind Kinder und Jugendliche. Für ihr Verschwinden gibt es die unterschiedlichsten Gründe wie Probleme in der Schule oder mit den Eltern oder beispielsweise Liebeskummer.

    Falls eine Vermissten-Sache nicht aufgeklärt wird, bleibt die Personenfahndung bis zu 30 Jahren bestehen.

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