Bundeskanzlerin reist nach Südamerika – Verfolgt die Bierzeltrede Merkel bis nach Mexiko? – Politik Ausland

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    Flughafen Berlin-Tegel (militärischer Teil), 21 Uhr. Während die Hauptstadt sich warmläuft für den Wahlkampf, bricht Bundeskanzlerin Angela Merkel (62, CDU) mit dem Regierungs-Airbus der Luftwaffe (Typ A 340) zu ihrer nächsten Auslandsreise auf.

    Es wird einer der längsten Merkel-Trips in dieser Legislaturperiode: 30 000 Kilometer in vier Tagen. Erstes Ziel nach 15 Stunden Marathon–Flug über den Atlantik (Luftlinie 11 913,78 km) ist Buenos Aires, Hauptstadt von Argentinien. Dort hat die Kanzlerin mit minus fünf Stunden Zeitverschiebung einen – wie immer bei ihren Auslandsreisen – vollgepfropften Tag Programm.

    Protokollarischer Höhepunkt ist ein vertrauliches Tête-à-tête mit Argentiniens Präsident Mauricio Macri (58). Einen Tag – und einen weiteren 9,45 Stunden-Flug später – wird Merkel dann in Mexiko auch mit Macris Kollegen Enrique Peña Nieto (51) zusammentreffen.

    Man kennt sich: Beide trafen sich bereits vor einem Jahr in Berlin. Merkel wiederum ist das erste Mal in Argentinien, das dritte Mal in Mexiko.


    Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto (51) am 6. Juni während einer Rede in Guatemala City (Guatemala)Foto: Biba/EPA/REX/Shutterstock

    Keinesfalls als Provokation für Trump gedacht

    Warum – ausgerechnet jetzt – die Gegenvisite? Jettet die Bundeskanzlerin etwa über den großen Teich, um von dort mit schönen Bildern und gar einer neuen Bierzelt-tauglichen Spitze gegen US-Präsident Donald Trump (70) daheim für Aufsehen sorgen?

    Insbesondere in Mexiko, das Trump mit einer Mauer von den USA abschotten will, gilt die Regel: „Wer hier punkten will, muss sich mit Trump anlegen“ („Frankfurter Allgemeine“).

    Das Verhältnis zwischen Merkel und Trump

    Von Merkels historischer Aussage im Truderinger Festzelt („Die Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück weit vorbei und deshalb kann ich nur sagen, wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen“) dürfte man auch in Mexiko gehört haben, die Schlagzeilen zu ihrem Auftritt Ende Mai waren um die Welt gegangen.

    Ebenso sollte sich auch in Mexiko herumgesprochen haben, dass die in der DDR groß gewordene Pfarrerstochter alles andere als eine Anhängerin von Grenzmauern ist.

    Die offizielle – und in diesen Tagen geradezu gebetsmühlenartig wiederholte Begründung von Regierungsoffiziellen lautet aber: Die Reise ist KEINESFALLS als Provokation für Trump gedacht, und sie findet auch nicht statt, weil Trump Mexiko mit einem Handelskrieg gedroht hat, sondern schlicht: Weil beide Länder G20-Partner sind!

    ► Angela Merkel suche vor dem G20-Gipfel in Hamburg Anfang Juli die Abstimmung in zentralen Feldern wie Handel, Klima und Migration. Lange verabredet habe man das, schon Anfang des Jahres.

    Klima, Wirtschaft, Handel & Menschenrechte

    Andererseits wird sich die Kanzlerin die Chance nicht entgehen lassen wollen, beide Staaten als Verbündete im Streit insbesondere um das von Trump aufgekündigte Pariser Klimaschutzabkommen zu gewinnen.

    Die Regierungen unterstützen das Pariser Abkommen, setzen auf Freihandel und sind auch gegen die von Trump befürwortete Abschottung in der Einwanderungspolitik. Gleichzeitig sucht Mexiko dringend nach neuen Handelspartnern, weil derzeit 80 Prozent der Exporte in die USA gehen – die nicht mehr als ganz sicherer Partner wahrgenommen werden. Da passt es, dass die Bundeskanzlerin von zehn Unternehmensvertretern aus den Branchen Elektroindustrie, Maschinen- und Anlagenbau, Medizin-, Energie- und Umwelttechnik sowie Finanzdienstleistungen begleitet wird.

    Größere Wirtschaftsabkommen stehen aber nicht auf dem Zettel. Potenzial für deutsche Unternehmen biete die geplante Modernisierung der argentinischen Infrastruktur. Besonders in Mexiko soll es neben der Wirtschafts- und der globalen Handelspolitik auch um die Lage der Menschenrechte gehen. Die Sicherheitslage in dem Land sei auch angesichts der Kämpfe der Drogenmafia und den Morden an Journalisten besorgniserregend.

    Am Sonntagmorgen wird die Bundeskanzlerin wieder in Berlin erwartet. Nach nochmal 11,25 Stunden Flugzeit.

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