Berliner Ehepaar soll statt 508 bald 839 Euro berappen – Nach 31 Jahren können wir die neue Miete nicht mehr zahlen – Berlin

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    „Gisela, was machen wir jetzt?“ Manfred Hunsicker (82) ist ratlos, als er die Post geöffnet hat. Das Mietshaus, in dem er mit seiner Frau (82) lebt, soll modernisiert werden.

    Berlin – Fürs Zuhause soll das Rentnerpaar statt 508 bald 839 Euro überweisen – bei 1237 Euro Rente. Nach 31 Jahren können wir die neue Miete nicht mehr zahlen!


    Ein Bild von früher. Das Paar lebt seit 31 Jahren in der Wohnung Foto: Olaf Selchow

    Stargarder Straße 28 in Prenzlauer Berg. Letztes Jahr hat der Vermieter der 33 Wohnungen gewechselt. Der neue Eigentümer will das Eckhaus rundum erneuern: Fassade dämmen, Fenster, Heizung austauschen, neue Balkone anbauen. Fast alle Arbeiten hat der Bezirk abgenickt – zur Enttäuschung der Mieter.


    Auch dieses Bild zeigt Gisela Hunsicker zu Zeiten, wo die Miete deutlich niedriger war
    Auch dieses Bild zeigt Gisela Hunsicker zu Zeiten, wo die Miete deutlich niedriger war Foto: Olaf Selchow

    Die Hunsickers haben den Wunschzettel ihres Vermieters nicht unterschrieben. Nur den Einbau des Aufzugs wollen sie dulden. Dann kämen sie besser zur Ärztin nebenan, zur Sparkasse an der Ecke, zum Discounter. Ihre 70-Quadratmeter-Wohnung würde dadurch monatlich 92 Euro teurer. Aber jeden Monat 29 Euro für neue Fenster, 57 Euro für die Fassade und 62 Euro für eine Heizung plus höhere Betriebskosten – das wollen die Senioren nicht!

    Als der frühere Hochdruckheizer 1986 mit seiner Frau in das Eckhaus eingezogen ist, verlangte die Kommunale Wohnungsverwaltung 60 DDR-Mark pro Monat. Auf dem Küchentisch mit Wachstuch wird sparsam aufgetragen: Pellkartoffeln mit Quark, Leberwurst. Und im Wohnzimmer rauscht noch ein klobiger Röhrenfernseher.

    Das tut die Berliner Politik gegen Teuer-Sanierungen

    ► In 35 sozialen Erhaltungsgebieten („Milieuschutzgebiete“) müssen Modernisierungswünsche vom jeweiligen Bezirk genehmigt werden

    ► Allein 2017 stellt Berlin Investoren 52 Millionen Förder-Euro für energetische Modernisierung zur Verfügung – damit reduzieren sich die Kosten für Mieter

    ► Bei den 300 000 Wohnungen der städtischen Gesellschaften hat der Senat schon auf maximal sechs Prozent begrenzt. Zudem sollen Modernisierungen im Wesentlichen warmmietenneutral sein. D.h., was bei der Kaltmiete teurer wird, spart man bei den Energiekosten ein

    ► Elf Prozent Modernisierungs-Umlage sind nach Ansicht des Deutschen Mieterbundes zu viel. Er fordert von der Bundesregierung eine Absenkung auf maximal 6 Prozent

    Gegen die Teuer-Sanierung wollen die Hunsickers klagen. Nachbarin Catrin Wolff (52) hilft dem Paar beim Papierkram. Ihre Miete soll sich um rund 700 auf fast 1300 Euro verdoppeln. Was die IT-Beraterin ärgert: „Es wird nur gemacht, was man mit elf Prozent auf die Mieter umlegen kann. Keine Instandhaltung, wie kaputte Fliesen erneuern, Treppenhaus streichen.“ Zudem hat sie nach der Wende selbst eine Etagenheizung eingebaut, die jetzt ersetzt werden soll.


    Ein Foto des Paares
    In der Wohnung hängen viele Erinnerungen des Paares Foto: Olaf Selchow

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    Eigentlich sollten schon diese Woche Gerüste für die Außenarbeiten aufgestellt werden. Mieter mit einer Rechtsschutzversicherung wollen die Bauarbeiter bislang nicht in ihre Wohnung lassen. Das muss der Vermieter dann vor Gericht durchsetzen. Wenn die Mieterhöhung kommt, müssen alle erst einmal (unter Vorbehalt) zahlen. Die finanzielle Situation der Mieter wird erst nach Ende der Arbeiten geprüft. Wie bei den Hunsickers. 

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